Welche Auswirkungen hat der Zuzug wohlhabender Europäer in eine
marokkanische Altstadt? Wie behauptet sich eine türkische Unternehmerin
in Berlin? Wie wird die "Ware Wüste" im Süden Tunesiens
vermarktet? Welchen Zulauf haben Hollywood-Filmschauplätze im Vorderen
Orient, in Venedig oder in Kanada? Welchen Regeln folgen traditionelle
Handwerker- und Händlersysteme, und wo findet man sie heute noch?
Antworten auf diese und viele andere Fragen bietet die Reihe "Kulturen
im Wandel": Videodokumentationen und Reportagen, die in einer Zusammenarbeit
der Terra TV Videoproduktion und dem Geographischen Institut der Universität
Mainz entstehen.
Theoretische Hintergründe
Sozialwissenschaftliche Fächer wie Geographie, Soziologie und Ethnologie
befinden sich zurzeit in einer Phase des Umbruchs: interdisziplinäres
Arbeiten gewinnt immer mehr an Bedeutung, die einzelnen Bereiche stehen
in engem Zusammenhang. Denn der Begriff "Raum" wird nicht länger
als neutrales, vorgegebenes Element angesehen, sondern wird vom Menschen
aktiv gestaltet und erst durch dessen individuelle Wahrnehmung greifbar.
"Kulturen im Wandel" ermöglicht die Visualisierung dieses Ansatzes:
wie werden neue Erkenntnisse generiert? Dazu wird eine Projektarbeit in Deutschland
oder in einem fremden, "exotischen" Land über mehrere Wochen mit
der Kamera begleitet. Die Projektleiter haben oft jahrzehntelange Erfahrung vor
Ort und ermöglichen damit den Zugang zu Personengruppen, die ohne diesen "access" kaum
bereit wären, vor eine Kamera zu treten. Das ermöglicht die bildliche
Umsetzung sozialwissenschaftlicher Fragestellungen: wo liegen die Unterschiede
zwischen Kulturen, wo die Gemeinsamkeiten? Wie verändert sich das Zusammenleben
verschiedener Kulturen? Wo sind Chancen, wo sind Risiken eines interkulturellen
Dialogs?
Arbeitsweise
Bei den Dreharbeiten vor Ort wird großen Wert auf Flexibilität
und Nähe zum Geschehen gelegt: Produziert wird mit kleinem, aber
trotzdem professionellem Equipment (25 MBit-DV-Formate) bei bewusstem
Verzicht auf umfangreiches Material wie Kran und Dolly. Ein entscheidender
Vorteil: die überschaubare Größe der Arbeitsgruppe (zwei
bis drei Personen). Dadurch gewinnt die Produktion an Unauffälligkeit,
an Genauigkeit und an natürlichen Einstellungen.
Am Anfang steht lediglich ein Treatment, kein festgefügtes Drehbuch.
Dadurch ergibt sich eine große Flexibilität vor Ort: die Möglichkeit,
auf spontane Änderungen zu reagieren und jeder neuen Wendung Rechnung
zu tragen. Das so produzierte Material besticht durch lebensnahe Situationen,
durch unverfälschte Eindrücke und durch emotionale O-Töne.
Verstärkt wird dieser Eindruck durch Musik, die vor Ort aufgezeichnet
ist und damit - im Gegensatz zu "Tonkonserven" - ein hohes Maß an
Authentizität vermittelt.
Schließlich sorgen professionelle Sprecher und 2D- und 3D-Graphiken für
einen homogenen und vor allem fachlich korrekten Gesamteindruck.
Zielpublikum
"Kulturen im Wandel" richtet sich in erster Linie an interessierte
Laien, an Oberstufenschüler im Sozialkunde-, Geschichte- und Erdkundeunterricht,
an Studierende sozialwissenschaftlicher Fachbereiche und natürlich
an Fernsehsender, die Interesse daran haben, ihre Zuschauer an aktueller
Forschung und zeitgemäßer Beobachtung teilhaben zu lassen. |